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Vorgeschichte bis zum Gründungsjahr
Der Ausruf „Feuer! Es brennt!“ versetzt die Menschen seit jeher in Angst und Schrecken.
Dies verdeutlicht eine regelrechte Feuersbrunst im Jahre 1457, als ein Blitzschlag die eng aneinander gebauten Häuser der Grafschaft in Brand setzt und diese vollständig zerstört.
Die damalige Ortsverwaltung hatte also Grund genug, besonders durch die bauliche Situation, Hab und Gut der Bürger zu schützen. So gehört es zu den Pflichten der Einwohner, einen wassergefüllten Eimer in Reichweite aufzustellen und die so genannten „Wachordnungen“ (Versuche, Präventivmaßnahmen gegen Feuer zu formulieren, um 1780) einzuhalten.
Diese Wachordnungen sind damals noch recht undifferenziert, nicht erstaunlich, da die Begriffe der „Feuerwehr“ und des „Brandschutzes“ noch recht weit entfernt sind von den Attributen, die wir heute mit diesen Worten verbinden.
Die Bürgerschaft ist in so genannte „Rotten“ eingeteilt, denen im Brandfall verschiedene Aufgaben zur Bekämpfung des Feuers zukommen, wie z.B. das Befüllen der Löscheimer an der Ems oder der Weitertransport zur Brandstelle.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts halten dann erste technische Errungenschaften in Rietberg Einzug, wie z.B. eine Handdruckspritze (im Feuerwehrjargon auch „Auf und Nieder“ genannt).
Aus dem Gründungsjahr 1883
Die Notwendigkeit einer organisierten Feuerwehr wird immer deutlicher, doch fehlen die nötigen finanziellen und materiellen Mittel, um eine Wehr aufzustellen.
Daher versammelt man sich in Rietberg zur „Kommission zur Vorbereitung einer Freiwilligen Feuerwehr“, die sich mit diesen Problemen in Hoffnung einer Lösung zusammensetzt. Im Jahr 1883 veröffentlicht diese Kommission die dringliche Bitte an die Bevölkerung, dass jedermann einen kleinen Geldbetrag zum Gelingen einer Wehrbildung beitragen solle. Dieser Bitte leisten damals die Menschen auch Folge, in dem Rahmen, in dem es Ihnen überhaupt möglich ist.
Am 27. März teilt die Kommission mit, dass die Vorbereitungen tatsächlich abgeschlossen seien und ein Statut zur Bildung einer Feuerwehr vorläge!
Mit den Unterschriften von 52 Bürgern schlägt am 3. Mai 1883 die Geburtsstunde der Freiwilligen Feuerwehr Rietberg.
Der Aufbau der Rietberger Wehr im Gründungsjahr

Ausrüstung um die Jahrhundertwende
Anfang 1898 zählt die Rietberger Wehr 121 Mitglieder, das rasche Anwachsen der Freiwilligen macht es notwendig, neue Uniformen zu beschaffen, die aus Feuerwehrbluse, Feuerwehrhose, dem Hakengurt und dem Helm besteht.
Die Einsatzausrüstung wird mit Pferd und Kutsche zum Brandort befördert.
Diese besteht aus den Handdruckspritzen, Schläuchen, Leitern, Strahlrohren, Reißhaken und Handwerkszeug.
Einen technischen Aufschwung erleben die Wehrmänner 1909, als ein Wasserwerk gebaut wird. Nun ist es möglich, mittels Wasserleitungen ein Versorgungsnetz aufzubauen, mit dessen Hilfe man aus Hydranten Wasser entnehmen kann. So ist man nicht immer von natürlichen Wasserentnahmestellen wie der Ems abhängig.
Die Wehr und der erste Weltkrieg
Seit dem 1. August 1914 befindet sich Deutschland im Krieg. Die Mobilmachung der wehrfähigen Männer wirft auch für die Feuerwehr personelle Probleme auf.
So bleibt nur eine kleine Löschgruppe übrig, die im Einsatzfall zur Stelle sein kann.
Viele Feuerwehrkameraden sind in den Kriegsjahren gefallen, viele Ausrüstungsgegenstände in Folge der Kriegswirren nicht mehr vorhanden.
Erst zwei Jahre nach Kriegsende kann eine endgültige Bilanz gezogen werden und man macht sich an den Wiederaufbau. Langsam kann der Personal- und Ausrüstungsbestand wieder auf den Standard der Vorkriegsjahre gebracht werden.
Jubiläumsjahr 1933
Das Jahr 1933 stellt in zweierlei Hinsichten ein besonderes Jahr da.
Zum Einen wird das 50 jährige Bestehen gefeiert, zum Anderen erhält die Wehr mit der Anschaffung der ersten Motorspritze eine technische Weiterentwicklung. Es handelt sich um eine besondere Spritze, denn aus Anlass der Geburt seines Enkels Carl Friedrich stiftet der Grafschaftsbesitzer und Landrat a.D. Woldemar Tenge-Rietberg dieses Gerät.
So wird dann auch eiligst ein Messingschild mit dem Namen „Carl Friedrich“ an die Spritze angebracht, welche in einem feierlichen Umzug durch die Gemeinde vom Bahnhof abgeholt wird.
2. Weltkrieg und Neuaufbau
Ähnlich wie schon ab 1914 wird die Feuerwehr stark geschwächt, ein vernünftiger Brandschutz kann kaum noch gewährleistet werden. Langsam erhält auch bei der Rietberger Feuerwehr das „Führerprinzip“ Einzug in die Statuten. So werden beispielsweise Wahlen gänzlich verboten und es kommt zur „Einführung des fundamentalen Grundsatz der nationalsozialistischen Weltanschauung“.
Im Frühjahr 1944 werden in allen Gemeinden des Amtes so genannte „E-Trupps“ (Entgiftungstrupps) aufgestellt, deren Aufgabe es ist, die von chemischen Kampfstoffen verseuchten Gemeindegebiete zu säubern. Diese werden mit in die Feuerwehr integriert.
Nach Ende des Krieges steht man erneut vor einem Trümmerhaufen, viele Kameraden sind nicht zurückgekehrt, das Gerät ist kaum noch vorhanden oder defekt.
In vorbildlicher Weise wird erneut mit dem Wiederaufbau begonnen, noch im Jahr 1945 findet sich ein Löschwagen wieder, der während des Krieges zu einem Transporter umgebaut wurde.
Die Gegenwart rückt näher
Einen Festtag bildet der 27. Juli 1952, das in Eigenleistung fertig gestellte TLF 15 kann in den Dienst gestellt werden. Das aus einem alten US-Armee-LKW umgebaute Fahrzeug wurde in vielen Feierabendstunden zu einem Tanklöschfahrzeug umgebaut und fortan nur noch kurz „GMC“ genannt.
Ebenfalls wird 1952 das an der Bruchstraße neu erbaute Gerätehaus feierlich bezogen, nachdem die alten Räumlichkeiten in der Rügenstraße aus akutem Platzmangel verlassen werden.
1958 begehen die Rietberger Feuerwehrkameraden bereits das 75. Jahr des Bestehens mit 29 aktiven Mitgliedern.
Der Fahrzeugbestand 1964 ergibt folgendes Bild:
-Ein Tanklöschfahrzeug TLF 16 A
-Ein Tanklöschfahrzeug TLF 15 (GMC)
-Ein Löschgruppenfahrzeug LF 16
-Ein Löschgruppenfahrzeug LF 16 TS
-Ein Löschfahzeug LF 8 (umgebauter Jeep)
Ein weiteres Beispiel der technischen Entwicklung bei der Rietberger Feuerwehr ist die 1975 in den Dienst gestellte Drehleiter DL 30, die mit einer Steighöhe von 30m und einem hydraulischem Antrieb in erster Linie als Rettungsgerät aus Höhen, aber auch zur vielseitigen technischen Hilfeleistung und zur Brandbekämpfung eingesetzt wird.
In die Kategorie der technischen Entwicklung passen an dieser Stelle die 1978 angeschafften Funkmeldeempfänger, die so genannten „Pieper“, über die die Feuerwehrmänner auch heute noch Tags und Nachts zu erreichen sind.
1983 gestaltet sich wieder als großes Jahr in der Feuerwehrgeschichte, denn die Wehr feiert Ihren 100. Geburtstag. Mit einem großen Festabend mit bekannten Interpreten und der Ausrichtung des Kreisfeuerwehrverbandstages wird dieser Anlass gebührend gefeiert.
1997 kann das neu errichtete Gerätehaus Torfweg bezogen werden, das Haus an der Bruchstraße entspricht nicht mehr den Sicherheitsstandards und platzt aus allen Nähten.
Es besteht aus drei Teilen, dem Arbeitsbereich mit Fahrzeughalle, Waschhalle und Werkstätten, dem Sozialbereich mit Unterrichtsraum, Aufenthaltsraum und sanitären Anlagen sowie einer Wohnung über dem Sozialtrakt.
1998 wird die als Ersatzbeschaffung der Drehleiter von 1975 neue Leiter in den Fahrzeugpark eingereiht. Das Besondere an diesem Fahrzeug ist die Möglichkeit, das obere Ende des Leiterparks in einem Winkel von bis zu 75 ° abzuknicken. Dadurch gelangt man – hinsichtlich des eng bebauten Innenstadtkerns – an Stellen, die mit herkömmlichen Leiterparks nicht erreicht werden können.
2003 kommt ein neuer Einsatzleitwagen mit modernen Kommunikationsmitteln hinzu.
Ebenfalls in diesem Jahr unternimmt die komplette Rietberger Wehr mit den Löschzügen Neuenkirchen, Mastholte und Rietberg einen großen Schritt in Richtung Nachwuchs und Jugendarbeit, die Gründung der Jugendfeuerwehr Rietberg.
Sicherlich gibt es noch vieles mehr zu berichten, doch soll es sich an dieser Stelle, wie eingangs erwähnt, nur um einen kleinen Streifzug durch die Geschichte handeln.
Einzelheiten würden den hier angemessenen Rahmen sicherlich sprengen.
Zum Ende hin sind nochmals alle Löschzugführer von der Gründung bis zum heutigen Tag aufgelistet:
Die Führung der Wehr/des Löschzuges
1883 – 1887 EWERHARD TEGELSCHNIEDER (*1838 †1907)
1887 – 1897 ANTON KÜPER (*1845 †1922)
1897 – 1900 HEINRICH VOGT (*1863 †1914)
1901 – 1907 EWERHARD TEGELSCHNIEDER
1908 – 1934 HEINRICH LODENKEMPER (*1877 †1941)
1934 – 1937 PAUL VOGT (*1896 †1960)
1937 – 1946 HEINRICH SCHALK (*1896 †1952)
1946 – 1949 PAUL VOGT (*1896 †1960)
1949 – 1953 EDUARD VITHERM (*1900 †1986)
1954 – 1963 HEINZ WITTENBORG (*1916 †1996)
1963 – 1964 JOSEF POLL (*1930 †1978)
1964 – 1969 HARRY SCHMIDT (*1937)
1970 – 1974 HANS-JOSEF HARTMANN (*1933)
1975 – 2000 KARL SETTER (*1941)
2000 – 2005 PETER WITTKÖPPER (*1965)
2005 – THOMAS OTTO (*1973)
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